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Gérard Bertrand
Wenige Winzer seiner Größenordnung können mit einer Lebensgeschichte wie Gérard Bertrand aufwarten. Der Beginn fällt noch nicht aus dem Rahmen, außer durch den frühen Zeitpunkt: Seinen ersten Jahrgang erlebt er an der Seite seines Vaters mit zehn Jahren, damit, wie der sagte, er "mit 50 Jahren schon 40 Jahre Erfahrung" hätte. Doch dann schlägt Bertrand erst einmal eine ganz andere Karriere ein: als professioneller Rugbyspieler (bis hin zum Gewinn des französischen Pokals mit dem RC Narbonne). Als er 22 ist, stirbt sein Vater bei einem Unfall, fortan führt Gérard Bertrand neben dem Sport das ererbte Weingut. Schließlich konzentriert er sich ganz auf den Wein, und erlangt auch auf diesem Gebiet außerordentliche Erfolge. Von den anfangs vier Hektar einer bescheidenen Winzerfamilie ausgehend ist er heute ein Großunternehmer mit 850 Hektar Besitz, der auf mehrere angekaufte Weingüter mit unterschiedlichen Schwerpunkten verteilt ist. Dabei ist seine Geschichte keineswegs die des auf ewigen Wachstum bedachten Business. Stattdessen sieht er sich im Dienste einer Mission: des kompromisslosen Eintretens für nachhaltigen, biologischen und biodynamischen Weinbau.
Nachdem zunächst die hochwertigsten Weine den strengsten Richtlinien genügen mussten, soll langfristig der gesamte Betrieb biodynamisch bearbeitet werden – 2023 sind schon 500 Hektar zertifiziert, von Spitzenlagen bis zum Gutswein. Und Bertrands Engagement strahlt weit über den eigenen Betrieb in das übrige Languedoc aus. Da die Umstellung auf biologische Bewirtschaftung für jeden Winzer auch ein erhebliches Risiko darstellt – zunächst fallen hohe Kosten an, während der Wein erst nach mindestens drei Jahren der Umstellung auch als bio vermarktet werden darf –, setzte er sich für das neue Label CAB ein, das Produzenten im Prozess der Umstellung schon währenddessen angemessene Preise ermöglichen soll.
Zum Portfolio des Betriebs gehören, man ahnt es bereits, ausgesprochene Spitzenlagen der Region, etwa jene tiefgründigen Böden um die Domaine de Cigalus oder um La Livinière, die sich beide durch besonders trockenes Klima auszeichnen, das die Konzentration der Trauben fördert, und gleichzeitig genügend Wasser speichern können, um den Reben noch das Überleben zu ermöglichen. Im Rebsortenspiegel ist man den Traditionen Südfrankreichs verpflichtet, die freilich eine enorme Breite von Stilen und Geschmäckern ermöglichen.