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Geruchssinn für 1 Million


Bei Umfragen nach den mächtigsten und einflussreichsten noch lebenden Amerikanern würden wohl die Namen George W. Bush und Bill Gates ganz oben auf der Liste stehen. Fragt man in der internationalen Weinszene, fällt zwangsläufig ein Name, dessen Bekanntheitsgrad bei deutschen Ottonormalverbrauchern wohl begrenzt ist: Robert Parker.

Parker ist zwar Weinbauer, aber nur als Mitbesitzer eines winzigen Weinberges in der Nähe von Newburg, Oregon, USA, namens „Beaux Freres", dessen Weine allerdings nicht die Bedeutung des Eigentümers erreichen. Einfluss auf die Entwicklung des Weines nimmt Robert Parker als Weinkritiker und Herausgeber der Zeitschrift „The Wine Advocate".

Aus der im Sommer 1978 ersten offiziell erschienenen Ausgabe, für die Parker sich 2.000 Dollar Startkapital von seinen Eltern geborgt hatte, entstand eine Zeitschrift mit über 40.000 Abonnenten weltweit. Das Jahresabonnement  kostet ca. 50,00 Dollar. Das Entscheidende des Wine Advocate sind mehr als 50 Seiten, auf denen Parker die Weine bewertet, die er zuletzt verkostet hat. Neben kurzen Kommentaren zum Geschmack der Weine vergibt Parker Noten zwischen 50 und 100 Punkten, die „Parker-Punkte".

GlasParkers einziges Wertungskriterium bei Weinen ist sein subjektiver Geschmack. Im Jahr verkostet er etwa 10.000 Weine, nicht sehr viel, wenn man bedenkt, dass allein Bordeaux  im Jahr mehr als 12.000 Weine hervorbringt. Er beschränkt sich auf gute Weine ab 20 Dollar die Flasche, die besonders die Amerikaner mögen.

Mit seinem Wertesystem hat Robert Parker die Weinszene revolutioniert. Das führt soweit, dass anhand seiner Wertungen weltweit Preise für Weine steigen und fallen. Somit werden von Parker bewertete Weine auch zu Spekulationsobjekten. Ein solcher, von Parker nie angestrebter, Einfluss löst in der Weinszene heftige Kritiken aus. Wurden früher Werte von Weinen allein von der Weinaristokratie mit Verweis auf die edle Herkunft getroffen, führten die Parkernoten zu einer Neuordnung in der Weinszene, der sich auch die alteingesessenen Weingüter nicht verschließen können. Da Parker die Weine ohne Ansehen der Herkunft bewertet, sehen sich besonders Massenproduzenten von ihm bedroht. Schmückt man sich nur allzu gern mit guten Parkernoten, können weniger gut bewertete Weine in der Regel auch nur zu geringeren Preisen verkauft werden. Ein um wenige Dollar fallender Marktwert eines Weines könnte weltweit Firmen in den Ruin treiben. Die alten großen Weingüter sehen ihren Einfluss bedroht, da der Trend deutlich zu so genannten „Garagenweinen" umschlägt, die in kleinen Weinbergen mit viel Liebe zum Detail produziert werden. Diese dramatischen Weine, die nur in kleinen Mengen hergestellt werden, erzielen inzwischen die höchsten Preise in Bordeaux.

Natürlich irrt sich auch ein Experte wie Robert Parker manchmal. Die seltenen Fehler gibt er öffentlich zu, auch um die Bedeutung seiner Kritiken abzuwerten.

Das Besondere an ihm ist, das er sich auch nach Jahren noch an die Eigenheiten jedes verkosteten Weines erinnert.

Auf einer Studienreise in Frankreich, Parker studierte Jura, entdeckte Robert Parker 1967 seine Naturbegabung. Er konnte sofort die Geschmacksbestandteile der Weine benennen. Die Beschreibung der Weine, die Parker in führenden Weinbüchern fand, war unbefriedigend. Lyrischen Metaphern über Weine konnte er keine Wertung entnehmen. Für Robert Parker war wichtig, ob er einen Wein nun kaufen sollte oder nicht. 1973 wurde Parker als Anwalt  zugelassen, doch der Beruf langweilte ihn. Sooft er konnte, bereiste er mit seiner Frau Pat Europa, kostete Weine und notierte sich die wichtigsten Eigenheiten. 1978 erschien die erste Auflage des Wine Advocate. Parker verschickte 6.500 kostenlose Exemplare. Er bekam seine ersten 600 Abonnenten. 1982 gab er seinen Beruf als Anwalt auf, nachdem er eine Auflage von über 10.000 erreicht hatte.

Parkers Antrieb war nie Machthunger oder Geltungsbedürfnis. Die Liebe zum Wein gepaart mit seiner außergewöhnlichen Gabe, den Charakter und den Geschmack von Wein zu beschreiben, lassen ihn auch heute noch so fleißig und akribisch arbeiten, wie zu seinen Anfangszeiten. Parker sagt über sich selbst: „Ich habe mich immer an die Regel gehalten: Was es wert ist getan zu werden, sollte man exzessiv tun."

Allerdings ist Robert Parkers Geruchssinn heute mit etwa einer Million Dollar versichert. Sicher ist sicher.