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wein USA

wein USA

Viele der Europäischen Siedler, die in Nordamerika an Land gingen, um ihr Glück in der Neuen Welt zu suchen, stellten bald fest, dass ihnen etwas fehlte, was zuvor in ihrem Leben einen festen Platz gehabt hatte: Wein. Doch da wilde Reben vielerorts bestens gediehen, schien es kein Problem, diesen Mangel zu beheben. In Jamestown, Virginia, kelterte man den ersten Wein aus einheimischen Trauben im Jahr 1607. Aber es sollte weitere 200 Jahre dauern, bis man den ersten leidlich trinkbaren Wein an der Ostküste zu erzeugen vermochten, und erst ab 1960 gelang es, dort Vitis vinifera, die europäische Rebe, erfolgreich zu kultivieren. Aus den wilden amerikanischen Rebarten ließ sich kein genießbarer Wein herstellen. Daraufhin unternahm man unzählige Versuche mit aus Europa eingeführten Rebstöcken, doch alle schlugen sie fehl. Dem wenig geeigneten Klima, den Krankheiten und Schädlingen widerstand keiner der Weinberge. Erst als man Anfang des 19. Jahrhunderts eine weiße Hybride aus einer spontanen Kreuzung zwischen einer amerikanischen Vitis labrusca und einer europäischen Vitis vinifera entdeckte, keimte neue Hoffnung auf. Die Sorte erhielt den Namen Alexander, und der daraus vergorene Wein war tatsächlich trinkbar, wenn auch mit seinen fuchsigen Aromen wenig attraktiv. Jedenfalls verbreitete sich mit dieser und weiteren, bald auch absichtlich gezüchteten Hybriden von nun an der Weinbau in den Oststaaten. Überwiegend pflanzte man die sehr fuchsige, aber auch sehr resistente Hybride Concord, aus der man vorrangig Schaumwein und Traubensaft erzeugte. Nach dem Zweiten Weltkrieg konzentrierte man sich zunehmend auf französische Hybriden, die angenehmere Weine ergeben, und dank chemischer Pestizide und Insektizide konnte man endlich europäische Premiumreben akklimatisieren. 

DIE KALIFORNISCHE MISSION 

Im Süden und Westen des Gebiets der heutigen Vereinigten Staaten traf der Weinbau auf andere Voraussetzungen. In den spanisch kolonisierten Landstrichen konnte man dank des günstigen Klimas von Anfang an aus Europa eingeführte Reben ziehen. Hernán Cortès hatte schon 1521 in Mexiko die ersten Rebstöcke pflanzen lassen. Etwa hundert Jahre später legten Spanier Weinberge in Neu-Mexiko und Texas an. Ab 1769 entsandte die Krone zur Wahrung spanischer Ansprüche auf Kalifornien Franziskaner dorthin. Für die Padres waren Leben in Mission - so hieß auch die von ihnen verbreitete Rebsorte - ohne Wein undenkbar, und daher hielt mit ihnen der Weinbau in Kalifornien Einzug. Langsam  zogen sie auf ihrem Camino Real, dem Königswege, nach Norden vor und gründeten 21 Missionstationen, von denen Sonoma 1823 die nördlichste wurde. In San Gabriel auf dem Gebiet von Los Angeles, das damals erste eine unbedeutende Siedlung war, entstanden die ausgedehntesten Rebflächen mit einem Ertrag, der den Eigenbedarf weit überstieg. Ganz in der Nähe errichtet der aus dem Bordeaux-Gebiet stammende Jean-Louis Vignes ab 1833 sein Weingut, das er mit französischen Rebsorten bestockte. In Sonoma ließen sich unterdessen immer mehr aus dem Osten einwandernde Siedler nieder. 1846 setzten sie den für ganz Kalifornien zuständigen mexikanischen Befehlshaber Mariano Vallejo ab und riefen einen eigenen Staat aus, der zwei Jahre später- nach dem Sieg der Vereinigten Staaten über Mexiko - Bundesstaat wurde. Der entmachtete Vallejo blieb und verlagerte seine Aktivitäten auf die Weinerzeugung. 

GOLD RUSH UND WEINFIEBER 

Im Jahr 1848 trat ein Ereignis ein, das für den kalifornischen Weinbau generell, besonders aber für die Weinregionen an der Nordküste entscheidend wurde: der Goldfund bei Sacramento. Er lockte Hunderttausende auf der Suche nach dem schnellen Reichtum nach Kalifornien. Darunter befanden sich auch ehemalige Weinbauern aus Europa. Einige von ihnen sahen bald ihre Zukunft eher darin, den Durst der Goldsucher zu stillen, als selbst zu schürfen. So erlebte der Weinbau in Sonoma einen ungeahnten Aufschwung, während im benachbarten Napa Valley noch die Rinder grasten. Doch bald breitete sich das Weinfieber auch dorthin aus sowie auf die direkt südlich von San Franzisko gelegenen Täler von Livermore und Santa Clara. Treibende Kraft dieser Entwicklung war der ungarische Edelmann und Abenteurer Agoston Haraszthy, der in Sonoma-Tal das Gut Buena Vista gründete. Auf einer staatlich geförderten Reise durch europäische Weinländer sammelte er Erkenntnisse über Anbaumethoden, aber auch Stecklinge von 300 Rebsorten. Das junge Amerika begann Wein ernst zu nehmen, und ab 1880 wurden in Berkeley wissenschaftliche Studien durchgeführt, deren Ergebnisse direkt in die Praxis umgesetzt wurden. Ab 1970 entwickelte sich der Weinbau auch im Central Valley, dessen offensichtliche Eignung zur Erzeugung von Massenwein man rasch nutzte. Schließlich ließ die Eröffnung der transkontinentalen Eisenbahnlinie etwa zu dieser Zeit die Nachfrage weiter steigen. Das eigentliche Geschäft mit dem Wein lag in den Händen einer kleinen Gruppe von Abfüllern, die von rund 800 Kellereien Wein als Fassware bezogen. Daraus komponierten sie eine breite Palette unterschiedlicher Geschmacksrichtungen, um den Wünschen der Händler zu entsprechen.

Das Geschäft lief überaus zufrieden stellend, als die Katastrophe hereinbrach: die Reblausplage. Um 1880 begann das gefräßige, ursprünglich ostamerikanische Insekt systematisch die Anpflanzungen an der Westküste zu vernichten. In den folgenden zwei Jahrzehnten fielen ihm fast alle Weinberge zum Opfer. Kaum waren anschließend die Rebflächen mit resistenten Unterlagen erneuert worden, traf den Weinbau der nächste Schlag: Am 17. Januar 1920 wurde die Prohibition ausgerufen, die bis 1933 dauern sollte. Wenn sich Winzer und Weinerzeuger in Napa, Sonoma, im  Central Valley und anderswo auch auf trickreiche Weise aus der Affäre zogen, indem sie Messwein oder Trauben zum Selbstvergären produzierten, der eigentliche Weinmarkt und damit die Erzeugung von Qualitätsweinen brach zusammen. Es folgte Depression und Zweiter Weltkrieg. Ende der 1940er Jahre hatten nur 1,5 Prozent der kalifornischen Kellereien die Krisenjahre überlebt. 

NEUBEGINN MIT HINDERNISSEN 

Die verbleibenden wineries  sahen sich vor dem Problem, sich gegen die steigenden europäischen Importe behaupten zu müssen, und so vermarkteten sie die eigenen Weine unter fremden Namen. Am bekanntesten wurde „Chablis", was generell zum Synonym für relativ trockenen Weißwein wurde, gleichgültig aus welcher Rebsorte. In Napa und Sonoma hatten Weingüter wie Beaulieu Vineyards, Inglenook und Charles Krug an einstigen Ruhm und Qualität angeknüpft, aber erst in den 1960er Jahren wurden größere Investitionen möglich. Seit 1970 steigt das Interesse der Amerikaner an Wein stetig, und proportional dazu ist die Erweiterung der Rebflächen sowie die Anzahl der Kellereigründungen zu sehen ( inzwischen sind es weit mehr als 800). Doch in den 1990er Jahren gab es abermals einen schweren Rückschlag: die Reblaus kehrte zurück. Bei der Erweiterung der Anbauflächen in den 1980er Jahren hatte man auf einen Pfropfunterlage zurückgegriffen, die sich nun als nicht resistent erweis, und Tausende Hektar Reben fielen einer Mutation des Insekts zum Opfer. Farmer und wineries nutzten die  - extrem kostspielige - Gelegenheit und erneuerten ihre Pflanzungen nach aktuellsten Erkenntnissen der Qualitätsweinerzeugung. Damit schufen sie die Basis für eine äußerst viel versprechende Zukunft.     

(entnommen aus dem vorzüglichen und umpfangreichen Werk "Wein" von André Dominé aus dem Jahre 2000, in Teilen zitiert)