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Mosel

Das Tal der Mosel ist eine der eindrucksvollsten Weinlandschaften der Welt. In zahlreichen Mäandern zieht der Fluss zwischen Hunsrück und Eifel Richtung Nordwesten, dem Rhein entgegen, und seine steilen Hänge sind fast überall dicht mit Reben bepflanzt. Die Mosel bringt die vielleicht charakteristischsten Weine Deutschlands hervor, ihre feinfruchtigen, trockenen, lieblichen oder edelsüßen Rieslinge sind unerreicht. Von lebhaftem Säurespiel unterstützt, entfalten sie ein Feuerwerk fruchtiger oder mineralischer Aromen.
Grund dafür ist die Kombination aus extremer geografischer Lage und idealem Kleinklima der Steilhänge, wo die Sonne jede Traube erreicht. Ihre Wärme wird noch von den Devon- und Tonschieferböden gespeichert, die über weite Strecken den mittleren und unteren Flusslauf begleiten, während an der Obermosel Muschelkalkformationen vorherrschen. Mit der temperierenden Funktion der Wasserfläche ergibt sich ein Klima, das die Wärme zur Traubenreife bietet und mild genug ist, um die aromatischen Charakteristika des Rieslings voll zur Geltung kommen zu lassen.

Die Arbeit des Winzers an den teilweise extremen Steilhängen ist überaus mühsam. Oftmals wachsen die Rebstöcke auf schmalen, fast unzugänglichen Terrassen, die jeden Versuch einer Mechanisierung der Arbeit im Keim ersticken. Zwar wurden in den letzten Jahren an der unteren Mosel kleine Einschienbahnen gebaut, mit denen die Winzer bequem auch in die höchstgelegenen Parzellen gelangen, auch das hat die Arbeitsintensität kaum verringert. Noch immer beträgt sie in diesen Lagen das Fünf- oder gar Zehnfache dessen, was in  Flachlagen investiert werden muss. Dennoch sind Moselweine im Durchschnitt  die preiswertesten der gesamten Republik - einige Versteigerungsweine renommierter Weingüter nicht  mitgerechnet -, und die Hektarerträge sind hier mit bis zu 123 Hektolitern die höchsten.
 Diese Situation, die in den 1960er und 1970er Jahren entstand, hat ihre Ursachen in der Mentalität der Moselwinzer wie auch in der Geschichte des Weinbaus der Region. Nachdem die großen kirchlichen Domänen in der Säkularisierung aufgelöst worden waren,  konnte sich hier der mächtigste Weinhandel Deutschlands etablieren. Heute beheimatet das Moseltal ein halbes Dutzend der größten Weinkellereien des Landes, die neben den Moselweinen nahezu alles in Flaschen füllen, was in Europa und darüber hinaus aus Trauben produziert werden kann.

RIESLING UND ELBLING

Wer an die Mosel und Rieslinge denkt, vergisst, dass nur jeder zweite Rebstock des Anbaugebiets ein Rieslingstock ist,. Der Müller-Thurgau stellt knapp 20 Prozent des Rebenbestands und die alten einheimischen Sorte Elbling, früher vor allem als Sektgrundwein beliebt und in den letzten Jahren neu bewertet, immerhin fast zehn Prozent.
 Der vielleicht ursprünglich römische Elbling hat sich vor allem an der Obermosel, zwischen Trier und der luxemburgischen Grenze, gegen den allgegenwärtigen Riesling behaupten, wenn auch nicht mit ihm messen können. Die Sorte ergibt heute frische, geradlinige, meist trockene Q.b.A.-Weine, die mit ihren neutraleren Fruchtaromen zur Spezialität der Gegend geworden sind.
Zentrum des Weinbaus an der Oberen Mosel ist Trier. Die Bischöflichen Weingüter, die Stiftung Staatliches Friedrich-Wilhelm-Gymnasium oder die Vereinigten Hospitien bilden mit ihren altehrwürdigen Kellern einen wohltuenden Kontrast zu den großen modernen -Sektfabriken.

DIE SAAR

Der Oberlauf der Saar bildet den natürlichen Rahmen des südlichsten Teils der Weinregion Mosel-Saar-Ruwer, der etwa auf gleicher Höhe mit dem südlichen Rheinhessen oder der nördlichen Pfalz liegt, aber dennoch als ausgesprochen nördliches Weinbaugebiet geilt. Weine von  der Saar sind oft stark säurebetont, aber sie können in guten Jahren auch zu den finessenreichsten des Anbaugebiets gehören. Der Grund für den reichen Charakter der Saar-Rieslinge ist in der Gestaltung der Weinberge zu suchen, die mit ihrer weit geringeren Hangneigung und ihrer nur selten nach Süden orientierten Ausrichtung sehr viel weniger Wärme und Licht der Sonne aufzufangen in der Lage sind als die viel weiter nördlich gelegenen Hänge der mittleren Mosel.

Im Unterschied zum großen Moseltal mit seinen Monokulturen sind die Rebflächen hier auch weit spärlicher gesät. Berühmt sind die Weine vom Wiltinger Scharzhofberg, mit der das deutsche Weingesetz den Verbraucher zu verwirren sucht -, dessen strikte Südausrichtung und Schiefer-Verwitterunsböden aus dem Devon-Zeitalter zusammen mit extremen Temperaturschwankungen und  den uralten, zum Großteil noch wurzelechten Rebstöcken für Weine sorgen, die speziell im höheren Auslesebereich unübertroffene Bukettfülle und Komplexität besitzen.
Auch der Saarburger Rausch, wo sich roter Lehm in den Schiefer mischt, liefert Trauben, die selbst höchste Zuckerkonzentrationen mit ihren feinziselierten Fruchtnoten mehr als kompensieren. Serriger Würtzberg, Ockfener Bockstein und Wiltinger Braune Kupp besitzen wie auch die Ayler Kupp eigentlich ein sehr hohes Qualitätspotential, das aber wie etwa bei der Ayler Kupp durch das Aufblähen der Einzellage im Weingesetz von 1971verwässert wurde und auch heute von nur wenigen Winzern genutzt wird.

DIE RUWER

Der obere Lauf der Ruwer liegt nur wenige Kilometer von dem der Saar entfernt, aber die Weine beider Gebiete unterscheiden sich recht deutlich. Das kleinste Teilgebiet von Mosel-Saar-Ruwer liefert Gewächse, die in kühleren Jahren extrem säurebetont sein können, was den Weinfreund vor allem in den Jahren des übertrieben trockenen Ausbaus gelegentlich auf eine ziemlich harte Gaumenprobe stellte. Dabei zeigen sie jedoch in guten wie in schlechten Jahren immer ausgeprägten Fruchtcharakter, der vor allem im höherwertigen Prädikatsbereich voll zu Geltung kommt. Die besten Weine stammen vom Grünhäuser Abtsberg sowie von Karthäuserhofberg, Lorenzhofer Felslay und Kasler Nies´chen und wachsen auf Grau- und Rotschieferböden. Obwohl die Ruwer nur wenige Weingüter besitzt, haben die wenigen, die hier Spitzenweine erzeugen - Maximin Grünhaus, Karthäuserhof und Karlsmühle - Weltruf.

(entnommen aus dem vorzüglichen und umfangreichen Werk "Wein" vom André Dominé aus dem Jahre 2000, in Teilen zitiert)

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