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Rhône - Die Kultivierte

Noch bevor sich die Franzosen auf die wirklichen Qualitäten der Sorte besannen, machten Australier sie unter dem Namen Shiraz zu ihrer Paradesorte, mit der sie in den 1970er und 1980er Jahren ihre größte und wichtigsten Erfolge auf den internationalen Märkten feierten. Der australische Kultwein schlechthin, der Grange von Penfolds, wurde früher sortenrein aus Syrah gekeltert und enthält auch heute noch nur geringe Anteile Cabernet Sauvignon. Wie sehr die Australier dabei im den Ursprung ihres Favoriten wussten, belegt die Tatsache, dass sie die kräftigen Roten aus der Rhône-Sorte lange als "Hermitage" verkauften. Der Erfolg der Australier inspirierte nicht nur die Rhône - Winzer, sondern auch in Kalifornien und Südafrika wurden in den letzen beiden Jahrzehnten zahlreiche Weinberge mit Syrah bestockt, und in Frankreich selbst eroberte sie zahlreiche Weinberge des Languedoc.

Einen australischen und kalifornischen Akzent musste auch die zweite, wichtige Rotweinsorte annehmen, die ertragreiche Grenache, die im Unterschied zur Syrah nicht aus dem Tal selbst stammt, sondern sich von der spanischen Provinz Aragon aus entlang der Mittelmeerküste bis an die südliche Rhône ausbreitete. Wer sie vorschnell als charakterlosen Massenträger abtut, vergisst, dass einige der schönsten Roten aus Châteauneuf-du-Pape und aus den Villages-Appellationen zum großen Teil oder vollständig aus den Trauben alter, im Ertrag niedrig gehaltener Grenache-Reben gekeltert werden. Wie voll, dicht und würzig diese Weine sein können, hat in jüngerer Zeit das spanische Weinbaugebiet Priorat beweisen.
Auch Mourvèdre, eine spät reifende Sorte, die viel Wärme braucht und dann recht tanninreiche Weine hervorbringt, ist in den letzten Jahren an der südlichen Rhône wie auch in den heißeren Gebieten der Neuen Welt immer beliebter geworden. Zusammen mit den genannten Sorten sowie dem fruchtig-weichen Cinsault oder dem farb-und alkoholreichen Carignan bildet sie die Basis fast aller Rotweine der südlichen Rhône. Bei den Weißweinen dagegen kommen die interessantesten Sorten eindeutig aus dem Norden, wo sich vor allem der sortenrein gekelterte Viognier unter der Herkunftsbezeichnung Condrieu durch dichte, intensiv nach Honig, Aprikose und Pfirsich duftende Weine auszeichnet.
In den letzten Jahren sind auch die Weißen Marsanne und Roussanne in der Neuen Welt populär geworden und haben dort unter den Winzern und Weinmachern eine regelrechte Fan-Gemeinde gewonnen, deren Mitglieder sich selbst gerne als "Rhône-Ranger" bezeichnen. An der Rhône selbst gerne sind diese beiden Sorten für die großen Weißen der Hermitage verantwortlich, bilden aber zusammen mit Clairette, Grenache Blanc, Counoise, Bourboulenc und anderen auch die Basis für die weißen Villages-Weine und Crus am südlichen Flusslauf.

VILLAGES, CRUS UND "RÉGIONAUX"

Eine der Stärken der Rhône-Weinbaus ist gleichzeitig eine seiner Schwächen: das ausgeklügelte System von Appellationen. An der Basis dieser Qualitätspyramide findet man die vorwiegend roten Weine der Regional-Appellation Côtes-du-Rhône, die meist am Unterlauf des Flusses produziert werden. Eine Stufe darüber stehen Weine mit der Herkunftsbezeichnung Côtes-du-Rhône-Villages. Produkte von insgesamt 95 Gemeinden der Departements Drôme, Gard und Vaucluse gehören zu dieser Gruppe, wobei 16 Gemeinden der AOC-Bezeichnung ihren eigenen Gemeindenamen hinzufügen dürfen. An der Spitze stehen die so genannten Crus. Lokal begrenzte Appellationen wie Gigondas oder Côte-Rôtie, auf deren Etiketten kein Verweis auf die Zugehörigkeit zur Rhône-Familie mehr zu finden ist.

IM REICH VON SYRAH UND VIOGNIER

Vienne, die im Jahre 121 gegründete Römer-Garnison, in der die malerische Ruine des alten Amphitheaters einen herrlichen Blick über das Rhône-Tal bietet, ist der nördliche Startpunkt der Côte-du-Rhône-Appellationen. Im meist recht engen Flusstal klettern die Reben an steilen Granithängen empor. Hier herrscht weitgehend kontinentales Klima mit warmen Sommern, in denen die Sonneneinstrahlung durch terrassenförmige Weinberganlagen optimal genutzt, gleichzeitig die Hitze durch permanenten Wind gemildert wird. Hitze und Kühle zusammen sorgen für die reiche aromatische Ausprägung und die elegante Struktur der Weine.

Die Produktion dieses Teils der Gesamt-Appellation wird fast ausschließlich unter den Namen der lokalen Appellationen der prestigereichen Crus gefüllt, von denen die Gegend gleich acht - der Süden nur fünf - aufweisen kann. Etiketten der Regional-Appellation Côtes-du-Rhône sind hier praktisch nicht zu finden. Zu einem der bekanntesten Crus gehören auch die nördlichsten Qualitätsweine der Rhône, sieht man von einer kleinen Tafelweinproduktion in der unmittelbaren Nachbarschaft der Stadt Vinne ab: Es ist die Côte-Rôtie, Heimat wunderbarer Syrah-Weine, in denen offiziell noch 20 Prozent des weißen Viognier zugelassen sind, was aber nur noch wenige Winzer praktizieren.

Obwohl hier mit Sicherheit schon in der Römerzeit, vielleicht sogar schon einige Jahrhunderte früher Weinbau betrieben wurde, stammt der Name dieser Appellation, der so viel wie "verbrannter Hang" bedeutet, erst aus dem 19. Jahrhundert. Bis in die 1950er Jahre wurden die Weine kaum geschätzt, und die Anbaufläche betrug auch in vergangenen Jahrhunderten selten mehr als die aktuellen 200 Hektar. Eine Besonderheit des Anbaugebiets ist die pyramidenartige Pfahlerziehung, die auf den schmalen Terrassen an bis zu 100 Prozent steilen Hängen die einzig sinnvolle Kulturform darzustellen scheint.

DIE CRUS DES NORDENS

An die Côte-Rôtie schließt unmittelbar im Süden das kleine Weißweingebiet Condrieu an, in dem der Viognier zur Höchstform aufläuft. "Coin du rieux", Bachwinkel, bedeutet der Name der Verwaltungs- und Handelsstadt mit der markanten Rhône-Brücke. Kalkhaltige Feldböden mit Schiefer und Glimmer in den oberen Schichten bieten die Grundlage für finessenreich, vielschichtige Viognier-Weine, wobei die ständige Ventilation der Steillagen der fäulnisanfälligen Sorte ebenfalls zugute kommt. Obwohl einige Condrieu-Weine aus guten Jahrgängen durchaus alterungsfähig sind, sollte man die Weine doch am besten jung trinken, wenn Würze und Frucht in der Nase noch von üppiger Saftigkeit am Gaumen begleitet sind. Saint-Joseph, mit fast 900 Hektar die flächenmäßig größte Appellation des Nordens, deren Gebiet sich fast 50 Kilometer am Fluss entlang erstreckt, ist auch die erst, in der sowohl Weiß- als auch Rotweine gekeltert werden, wobei an die Stelle des Viognier Marsanne und Rousanne treten. Man findet zunehmend dichte und fruchtige Rotweine - die Weißen sind weniger interessant - zu durchaus konkurrenzfähigen Preisen. In der Umgebung der Stadt Tain l´Hermitage verlagern sich die Weinberge ans linke Ufer. Hier befinden sich der nur 134 Hektar große Hermitage-Hübel, die berühmte Appellation, die auch manchem Übersee-Syrah ihren Namen gegeben hat, und die weniger renommierte Crozes-Hermitage mit mehr als 1 200 Hektar Rebfläche, die beide sowohl sortenreine Syrah-Rote als auch Weißweine im Verschnitt aus Marsanne und Rousanne hervorbringen. Während von den Granitböden der Hermitage mit ihrer südlichen Ausrichtung feste, dichte und alterungsfähige Gewächse kommen, fallen die Crozes-Weine von meist flacheren Schotter- oder Lößlagen wesentlich leichter.

Den Abschluss der nördlichen Rhône-Gebiete bilden die Appellationen Cornas und Saint-Péray, beide direkt gegenüber Valence am rechten Rhône-Ufer gelegen. Saint-Péray war früher fast ausschließlich durch einfache Schaumweine bekannt, hat sich aber in den letzten Jahren mit der Produktion guter weißer Stillweine einen Namen gemacht, wobei die Rebfläche von nur wenige mehr als 60 Hektar allerdings kaum geeignet ist, irgendetwas von reeller Marktbedeutung hervorzubringen.
Unwesentlich größer ist die Fläche des Cornas, auf der früher Weiße, heute aber ausschließlich Rote aus Syrah entstehen. Die Weine sind etwas leichter als die der Côte-Rôtie, können aber viel Charakter zeigen.

(entnommen aus dem vorzüglichen und umfangreichen Werk "Wein" vom André Dominé aus dem Jahre 2000, in Teilen zitiert)

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