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Friaul - Die Kontrastreiche

Geologisch ist das Friaul in zwei etwa gleich große Hälften geteilt, deren nördliche - Alpen und Voralpen - für Weinbau ungeeignet ist. In den Ebenen und auf den Hügeln der südlichen Hälfte dagegen dominieren Böden, die dem Weinbau gute Voraussetzungen bieten: Moränenhügel mit trockenen, mineralarmen Böden, Vulkanablagerungen, reich an Mineralien und Spurenelementen, Schwemmland mit trockenen, steinigen Böden und das Küstenland mit Sand, Torf und hohem Kalkgehalt. Auf den Hügeln im Zentrum sorgt der Flysch von Cormòns, eine Mischung aus Mergel- und Sandsteinschichten aus dem Eozän, für charaktervolle, komplexe Weine.

Im Unterschied zum übrigen Italien besitzt das Friaul eine klar gegliederte Weinbaulandschaft. Die acht Anbaugebiete der Region liegen nebeneinander aufgereiht im Alpenbogen, und unter jeder DOC-Bezeichnung ist eine bestimmte Palette an Rebsortenweinen zugelassen. Das größte Gebiet ist Grave del Friuli in der Schwemmlandebene des Tagliamento. An der südlichen Grenze ziehen sich Friuli Latisana, das neugegründete Friuli Annia und Friuli Aquileia an der Küste entlang. Die Collio Goriziano mit ihren ausgezeichneten Böden und dem idealen Klima stehen mit ihren Weinen stellvertretend für das große Prestige, das die Region in den letzten beiden Jahrzehnten erworben hat. Im Süden des Collio schließt sich das Isonzo-Gebiet an, das seinerseits an der südöstlichen Flanke an das Carso, die Karsthügel an der Grenze zu Slowenien anstößt.

VON ROT ZU WEISS ZU ROT

Obwohl das Friaul heute als Weißweinregion bekannt ist, wurde sein Weinbau noch bis vor wenigen Jahrzehnten von roten Sorten dominiert. 1965 stammten 80 Prozent des Weins von dunklen Trauben, allen voran der nach der Reblauskatastrophe bevorzugt ausgepflanzte Merlot. Erst mit der steigenden Nachfrage nach sauber vinifizierten Weißweinen in den 1970er und 1980er Jahren begannen auch die Friauler Winzer, sich auf Chardonnay, Pinot Grigio, Sauvignon oder den einheimischen Tocai Friulano zu konzentrieren. ...

In den 1990er Jahren konnten dann die Rotweine des Friaul viel von ihrem Prestige zurückerobern: Merlot -Gewächse (die mit den säuerlich-süffigen Weinen der Nachkriegszeit nur den Sortennamen gemein hatten), schließlich beste Weine aus fast verloren geglaubten einheimischen Sorten.

Die einheimischen Rebsorten bergen die größte Chance des zukünftigen Weinbaus im Friaul, lassen sich daraus doch ausdrucksstarke, individuelle Weine keltern, die sich von den einheitlichen Produkten anderer Länder abheben.

ZWISCHEN UDINE UND GORIZIA

Mit ihrem Flysch-Böden besitzen die Colli Orientali großes Potential für Rotweine. Vor allem auf den zur Adria geneigten Südhängen der Hügel gedeihen Merlot-, Cabernet-, Schioppettino-, Refosco- und Pignolo- Trauben in hervorragender Qualität. Die Weine, die sortenrein oder als Verschnitt daraus gekeltert und oft im Barrique ausgebaut werden ... gehören in guten Jahren zu den besten Rotweine Italiens.

Vereinzelte große Rotweine, aber auch die besten Weißweine des Friaul kommen aus dem Collio, dem renommiertesten der acht Anbaugebiete. Viele Collio-Winzer besitzen Weinberge auf slowenischem Gebiet und dürfen deren Produkte dank einer Ausnahmeregelung der EU mit Collio-Etiketten vermarkten. Spezialitäten des Collio sind Sauvignon Blanc und Chardonnay, ergänzt durch die einheimische Ribolla Gialla. Dank ihres guten Säuregehalts bleiben die Weine dieses Gebiets - sie stellen 85 Prozent der Produktion - auch im Barrique-Ausbau lebendig und frisch und gehören zu den wenigen, international wirklich konkurrenzfähigen Weißweine, die Italien zu bieten hat.

DIE FRIAULER EBENEN UND DER KARST

Während Collio und Colli Orientali das Renommee des Friauler Weinbaus hoben, entwickelten sich die übrigen Anbaugebiete unterschiedlich. Grave, Aquileia, Latisana und Annia weisen wenig mehr als sauber vinifizierte, süffige Alltagsweine vor. Das Carso-Gebiet liefert ausdrucksvolle, für den internationalen Geschmack aber ungewohnte Sorten, und von den Isonzo-Winzern schaffte etwa ein Dutzend den Sprung in die regionale, teilweise sogar die nationale Elite.

Das Anbaugebiet Grave del Friuli belegt mit mehr als 6000 Hektar Weinbergen etwa ein Drittel der friaulischen Flächen, produziert aber zwei Drittel der regionalen Weinmenge. Das Gebiet bedeckt die Ebene vom Livenza, dem Grenzfluss zu Venetien, über den Tagliamento und den Judrio bis an die Hügelketten von Collio und Colli Orientali, ausgenommen nur ein schmaler Küstenstreifen. Der Name leitet sich von den kies- und geröllhaltigen Schwemmlandböden ab.

(entnommen aus dem vorzüglichen und umfangreichen Werk "Wein" von André Dominé aus dem Jahr 2000, in Teilen zitiert)

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