Filter anzeigen Filter ausblenden
Rebsorte +
* Preise inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten
12 von 14 Artikeln angezeigt
Weitere anzeigen

Umbrien - Est! Est! Est!

Ungeachtet seines Weinbaupotentials steht Umbrien wie alle mittelitalienischen Regionen im Schaffen der Toskana. Aus dem grünen Herzen Italiens (so die Tourismuswerbung) ist allein der Orvieto einem breiteren Publikum bekannt. Von den 200 000 Hektolitern Qualitätswein - das ist etwa ein Fünfte der umbrischen Gesamtproduktion - stellt er mehr als zwei Drittel.

Orvieto und Orvieto Classico werden aus neutralen einheimischen Sorten wie Trebbiano Toscano, Verdello, Grechetto und Canaiolo Bianco gekeltert und sind selten mehr als süffige, harmonische Alltagsweine. Nur wenige Lagen des Classico-Gebiets erlauben hochwertige Qualitäten. In der Vergangenheit bevorzugte man den Wein in der Region lieblich oder halbtrockene, heute gibt es auch geschmacksintensivere Erzeugnisse -  gelegentlich sind sie sogar im Barrique vergoren -, die selbst mit kräftigen Gerichten harmonieren.

Obwohl die Orvieto-Produkion vorwiegend in der Hand von drei Genossenschaften liegt, traten seit den 1980er Jahren ein paar kleine bis mittelständische Betriebe mit neuen Ideen und auffallend guten Weinen hervor. Einer davon ist der Chardonnay Cervaro von Antinoris Castello della Sala, ein außergewöhnlicher Tafelwein, der alle Möglichkeiten des modernen italienischen Weinbaus virtuos ausschöpft.

Wenn die umbrischen Antinori-Weine auch zunächst vom Renommee des berühmten toskanischen Stammhauses profitierten, so erwarben sie doch bald Respekt und ein eigenständiges Image. Dies gelang umso besser, als im Bereich von Orvieto in den 1990er Jahren eine Reihe weiterer Betriebe Profil zeigt, darunter sogar die größte Genossenschaft der Region, die zum Teil überdurchschnittliche Qualitäten hervorbrachte. 

ROT SCHLÄGT WEISS: TORGIANO

Mit der Dominanz des Orvieto ist Umbrien eher ein Weißweingebiet, doch erste internationale Beachtung errang ein Rotwein: Torgiano, ein Wein auf  Sangiovese-Basis, wurde von Giorgio Lungarotti fast im Alleingang geschaffen und zu DOC-Ehren gebracht. In den 1970er Jahren machte Lungarotti die kleine Gemeinde-Appellation unweit der Hauptstadt Perugia weit über Italiens Grenzen hinaus bekannt, und der Rubesco - besonders die Riserva Monticchio  - avancierte zum Kultwein der internationalen Weinszene.

Doch der Erfolg des Torgiano war trotz der Aufwertung der Riserva-Qualitäten zum DOCG-Status 1992 eher ephemerer Natur, denn Lungarotti, praktisch alleiniger Produzent der Herkunftsbezeichnung, brachte durch die qualitative Stagnation seiner Produkte in den 1990er Jahren mit dem eigenen Betreib gleich die gesamte Appellation in unsicheres Fahrwasser. Dennoch gab Lungarotti, der sich auch als Initiator des jährlichen Banco d`Assaggio dei Vini d`Italia, eines der bedeutendsten Weinwettbewerbe Italiens hervortat und in Torgiano ein Weinmuseum eröffnete, dem umbrischen Weinbau entscheidende Impulse.

UMBRIENS NORDEN LEGT ZU

Überall in der Region, vor allem aber im Norden, am Oberlauf des Tiber und in der Umgebung Perugias, entstanden neue Herkunftsbezeichnungen. Besonders die Gemeinde Montefalco mit den trockenen oder süßen Rotweinspezialitäten aus der einheimischen Sorte Sagrantino und aus Sangiovese hat sich hervorgetan. Der sortenreine Sagrantino di Montefalco, der zum DOCG-Wein aufgewertet wurde, kann viel Kraft und Fülle zeigen, begleitet von üppigen würzigen Düften. Seine süße Version, der Sagrantino di Montefalco Passito, ist eine echte Spezialität, wie man sie in dieser Form in keiner anderen Region findet. Als Colli del Trasimeno und Colli Perugini werden gute Rot- und Weißweine aus Sangiovese, Merlot, Cabernet Sauvignon, Trebbiano, Grechetto und Chardonnay angeboten. Auch die jüngeren umbrischen Herkunftsbezeichnungen wie Colli Martani und Colli Amerini - die Gebiet im Zentrum und im äußersten Süden der Region bestehen erst seit 1989 beziehungsweise 1990 - sind mit einigen interessanten Erzeugerbetrieben hervorgetreten.

Mit dem wiedererstarkten Orvieto ( Classico), dem kräftigen Montefalco, und einem Zugpferd wie dem Torgiano - vorausgesetzt er stabilisiert sich - ist Umbriens Zukunft, trotz der Nähe zur Toskana, gesichert.    

(entnommen aus dem vorzüglichen und umfangreichen Werk „Wein" von André Dominé aus dem Jahr 2000, in Teilen zitiert)

Saferpay
Feedback