Kellerei Tramin
Die Kellerei Tramin gehört zu den prägenden Namen des Südtiroler Weinbaus. Ihre Geschichte beginnt 1898, als der Traminer Pfarrer und spätere Wiener Parlamentsabgeordnete Christian Schrott die Genossenschaft gründete, um den örtlichen Weinbauern in wirtschaftlich schwieriger Zeit eine gemeinsame Zukunft zu sichern. Heute bewirtschaften rund 160 Winzerfamilien etwa 270 Hektar Rebfläche. Aus dem genossenschaftlichen Gedanken ist längst weit mehr als gemeinschaftliche Vermarktung geworden: Die Kellerei verbindet die Erfahrung vieler Familien mit klaren Qualitätsvorgaben und einer präzisen Vorstellung davon, welche Rebsorte auf welchem Standort ihr bestes Gesicht zeigt.
Die Weinberge südlich von Bozen reichen von etwa 250 bis 850 Meter Höhe. Lehm, Kies, Kalk und Porphyr treffen hier auf ein alpin-mediterranes Klima mit warmen Tagen, kühlen Nächten und beständiger Luftbewegung. Diese Vielfalt prägt das Sortiment: Kalkreiche Böden geben Chardonnay und Pinot Grigio Kontur und Eleganz, während mittlere Höhenlagen ideale Voraussetzungen für aromatische Gewürztraminer schaffen. Auch Blauburgunder, Lagrein, Vernatsch und Sauvignon zeigen, wie unterschiedlich Südtirol auf engem Raum schmecken kann.
Einen entscheidenden Qualitätsschub brachte in den 1990er-Jahren Kellermeister Willi Stürz. Unter seiner Leitung entstanden jene Selektionen, mit denen Tramin heute weit über Südtirol hinaus bekannt ist: Nussbaumer Gewürztraminer, Unterebner Pinot Grigio, die weiße Cuvée Stoan, Maglen Pinot Nero oder Urban Lagrein gehören zu den charakterstarken Spitzen des Hauses. Im Zentrum steht jedoch der Gewürztraminer – kaum zufällig in einem Ort, dessen Name seit Jahrhunderten mit dem Traminer verbunden ist. Tramin lotet die Sorte vom trockenen, duftig-würzigen Stil bis zu konzentrierten Spätlesen aus.
Wie weit dieser Anspruch reichen kann, zeigt Epokale. Der Gewürztraminer aus alten Weinbergen bei Nussbaumer reift nach der Abfüllung mehrere Jahre in einem ehemaligen Bergwerksstollen im Ridnauntal; der Jahrgang 2009 erhielt 2018 als erster italienischer Weißwein 100 Punkte im Wine Advocate. Auch die 2010 fertiggestellte, von Werner Tscholl entworfene Kellerei macht den Anspruch sichtbar: wie Rebranken in die Landschaft gezeichnet, verbindet der Bau alte Substanz mit Glas, Stahl und Holz. So steht die Kellerei Tramin heute für eine Genossenschaft, die Größe nicht mit Beliebigkeit verwechselt – sondern viele Weinberge und viele Hände in eine klare Südtiroler Handschrift übersetzt.