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Stellenbosch - Die Pfeffrige

Stellenbosch, nur 40 Kilometer von Kapstadt entfernt, ist heute die bekannteste Weinregion Südafrikas. Die gleichnamige Stadt mit der berühmten Universität aus dem Jahr 1918 hat viel von ihrem Charme bewahren können. Dazu gehört die von Simon van der Stel, der den Ort als zweite europäische Niederlassung am Kap 1679 gegründet hatte, angeregte Pflanzung der zahlreichen Schattenspendenden Eichen. Errichteten die ersten Siedler ihre schmucken, von Gärten umrahmten Häuser in kap-holländischer Bauweise, so entstanden später in unmittelbarer Nachbarschaft dazu die stattlichen Bauten der Engländer in Georgianischem oder Viktorianischem Stil.

Neben der Universität, an der die meisten südafrikanischen Winzer ihre Ausbildung in Weinbau und Önologie erfahren gibt es die renommierte Agrarfachschule Elsenburg und vor der Stadt das Önologische Institut „Nietvoorbij“, mit seinen Versuchsrebgärten und Labors das Zentrum südafrikanischer Weinforschung. Dort finden auch die Kontrollverkostungen für die Anerkennung zu Wine of Origin statt.

Ursprünglich galt Stellenbosch als Hochburg für Getreideanbau und Rinderzucht. Das fruchtbare Schwemmland an den Ufern des Erste River brachte einen Großteil der auf den Schiffen der Ostindischen Kompanie benötigten Lebensmittel hervor. Wenn Wein aufgrund seiner Haltbarkeit auch schon früh auf den Proviantlisten erscheint, war Weinbau für die Kompanie – trotz der erwähnten Verordnungen ihres Gouverneurs - von eher geringer Bedeutung. Ihre Interessen waren nicht auf das Kap, sondern auf die gewaltigen Gewinne in Indien und Indonesien gerichtet. Deshalb unternahm sie nichts, um andere Weine als Constantia zu vermarkten und bekannt zu machen. Gleichwohl entwickelte sich der Anbau von Wein selbst unter den ersten, in der Regel mittellosen Siedlern, denen Land in Stellenbosch zugeteilt wurde. Nachfrage und Anerkennung erfuhren sie jedoch erst unter britischer Regierung. Um den Weinbedarf in England von 1812 bis 1825 zu decken, wurden beträchtliche Mengen dorthin exportiert. Dies blieb jedoch der einzige Zeitraum im 19. Jahrhundert, da Wein den Farmern ein gutes Einkommen garantierte. Erst im 20. Jahrhundert konnten sich Stellenbosch und Paarl als Zentren der Weinwirtschaft profilieren.

Stellenbosch gehört zu den landschaftlich schönsten Weinregionen der Welt. In den letzten Jahren hat das Gebiet einen deutlichen Aufschwung erfahren und bietet die größte Konzentration an interessanten Weinerzeugern. Das Boland mit seinen gut ausgerichteten Hängen und ertragreichen Tälern, vor allem aber mit seinen beeindruckenden Erhebungen, bietet eine Fülle unterschiedlicher Bedingungen, sowohl in Bezug auf das Klima wie auch auf die Böden. Dies spiegelt sich in der Bandbreite der Weine wieder, die dort erzeugt werden und die vom Cap Classique – der südafrikanischen Version des Champagners – über fruchtig pfeffrige Pinotages bis zu edelsüßen Rieslingen und Portweinen reichen.

Für Rotwein gelten die Hanglagen aus verwittertem Granit mit ihren sauren Böden zu Füßen des Simonsbergs nordöstlich der Stadt und des Helderbergs im Süden als die besten Terroirs. Letzteres Gebiet, das an die False Bay grenzt und stark maritime Einflüsse aufweist, vereint einen Anzahl hochwertiger Güter, deren Besitzer entschlossen sind, sich eine eigene Appellation zu erkämpfen. Manche Rebparzellen in den Bergen liegen in einer Höhe von bis zu 600 Metern oder noch darüber und zeichnen sich durch ein gesuchtes temperiertes Klima aus. Nach Westen bestimmt der Sandstein des Table Mountain den Boden und ergibt vor allem überzeugende Weißweine. Insgesamt stellt Stellenbosch etwa ein Achtel der Rebfläche des Landes. Hier findet man häufiger als anderswo dry farmed vineyards  - Weinberge, die nicht bewässert werden -, und die Winzer erzielen bei geringeren Erträgen gut konzentrierte Weine. Dennoch bilden die Stauseen ein charakteristisches Element der Landschaft.

Neben verschiedenen Cuvées auf der Basis von Cabernet Sauvignon, Merlot und Cabernet Franc werden zunehmend beeindruckende Shiraz-Weine erzeugt. Immer mehr winemakers bauen sie in amerikanischer Eiche aus, eine für europäische Zungen zunächst ungewohnte, aber mit der Zeit überzeugende Vermählung mit typischer Zimtnote. Stellenbosch ist außerdem die Heimat der hochkarätigsten Pinotages. In der Weißweinbereitung versteht man sich sowohl auf gute Sauvignons wie auf  ausgewogene oder bisweilen üppige, im Barrique vergorene Chardonnays mit Karamellnoten. Stetig steigendes Interesse findet der finessenreiche Sémillon. Doch der von Botrytis geprägte Noble-Late-Harvest-Riesling des Neethlingshofs bleibt einer der reizvollsten Weine.  

 

(entnommen aus dem vorzüglichen und umfangreichen Werk „Wein“ vom André Dominé aus dem Jahre 2000, in Teilen zitiert)

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